Es gibt mindestens so viele Spielarten des Buddhismus wie Modebezeichnungen für bestimmte Farben. Tatsächlich gibt es einen ostasiatischen Kern, der in sehr ähnlicher Form im Buddhismus, Daoismus und vedischen Traditionen auftaucht. Es handelt sich dabei mehr um eine Philosophie als um eine Religion im eigentlichen Sinne. Religionen wie etwa Hinduismus oder Shintoismus werden zwar häufig auf diesen Kern verschmolzen und erzeugen dann äußere Unterschiede etwa zwischen goldenen Tempeln auf Bali und einem KyudoKyudo ist die japanische Kunst des Bogenschießens. Auch das ist eine meditative Körperarbeit, die ihre Verwandschaft zum Zen nicht verleugnen kann. Das japanisch-koreanische Do in Kyudo, Judo, Tae-Kwon-Do, etc. ist übrigens identisch mit dem chinesischen Dao (auch Tao)-Schützen auf einem Hügel in Japan. Sie alle unterscheiden sich kaum in ihren Zielen, teilweise aber erheblich in ihren Wegen dorthin.
Dao (früher Tao, japanisch: Do) lässt sich ungefähr mit Weg übersetzen. Südlich des Himalaya wurden die Begriffe dem Sanskrit entliehen und man spricht von yana, also einem Fahrzeug. Der Buddhismus verbietet explizit, verschiedene yana in eine Rangfolge zu setzen. Alle Wege führen zum selben Ziel, der Erleuchtung. Welcher Weg für eine bestimmte Person geeignet ist, hängt von der Person und ihren Lebensumständen ab.
Unter Erleuchtung kennt man im Westen meist nur die hinduistische Vorstellung des Karma-Ausgleichs, welche den Kreis der Reinkarnationen durchbricht. Auch wenn das Karma-Konzept eine soziologische Wahrheit verkörpert, muss man dazu nicht zwingend den hinduistischen Leidenskreis adaptieren. Das zentrale Konzept der Erleuchtung ist die ganzheitliche Harmonie seiner selbst mit dem allumfassenden Qi. Die japanische Budo-Kunst Ai-Ki-Do drückt dies wörtlich aus. Im Dao-De bedeutet die Überwindung der Dualität das Aufgehen in der natürlichen Einheit. Insofern stimmt dies mit der Darstellung der Bibel überein, dass die Erkenntnis von Gut und Böse die Vertreibung aus dem Paradies nach sich zog. Der Erleuchtete erkennt, dass es gar nichts zu erkennen gibt. Ying und Yang bedingen einander, und ihre Unterscheidung ist willkürlich.
Insofern bin ich Buddhist oder Daoist und auch wieder nichts davon. Jeder muss seinen Weg selbst gehen. Wohin das nächste Wegstück führt, weiss man erst, wenn man es gegangen ist. Ich folge meinem Weg (Dao) und wirke (De) und werde wie LaoziDer Sage nach der Verfasser der DaoDeJing, dem Grundwerk des Daoismus. Er hat es quasi als Auslöse verfasst. Tatsächlich hat es Laozi als Person wohl nie gegeben, sondern er wurde wahrscheinlich als Gegengewicht zu Konfuzius entworfen. nur dann eine kanonische Schrift (Jing) hinterlassen, wenn man mich dazu zwingt.
Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass solche Lehren traditionell nur von Lehrern an geeignete Schüler weitergegeben werden. Es ist die Weisheit des Lehrers, die erkennt, welche folgenden Schritte für einen Schüler sinnvoll sein können. Mit Geheimlehren hat das äußerst wenig zu tun, aber durchaus mit der Tatsache, dass man spirituelle Erfahrungen erst dann aus Beschreibungen erkennt, wenn man sie erlebt hat. Ansonsten kommt derselbe Murks heraus, als wenn Sie einem Amazonas-Indio die Vorzüge des Helikopter-Snowboarding erklären wollen.
Es ist auch nicht so, dass Sie unbedingt Lama X oder Guru Y folgen müssten, um ihren Weg zu gehen. Es ist ihr Weg, und Sie müssen ihn gehen. Selbst! Ein Lehrer kann Ihnen Anregungen und Bestätigung geben, aber er kann Ihnen nicht Spiritualität beibringen, wie man Mathematik lehrt. Wenn Sie auf Ihrem Weg einen Austauschpartner suchen, dann dürfen Sie sich gerne an mich wenden. Da meine Frau und ich diverse Anfragen bekommen, haben wir den Tantra-Tempel als jüngstes Projekt ins Leben gerufen. Schauen Sie doch einfach mal herein.
